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Angriff auf den 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Oschersleben

27. Mai 1971
Information Nr. 509/71 über einen tätlichen Angriff auf den 1. Sekretär der SED-Kreisleitung Oschersleben, [Bezirk] Magdeburg

Am 24.5.1971, gegen 22.45 Uhr, wurde der 1. Sekretär der Kreisleitung der SED Oschersleben, Genosse Thieme,1 auf der Halberstädter Straße in Oschersleben nach einem kurzen Wortwechsel von einer ihm unbekannten männlichen Person tätlich angegriffen, wodurch er Hautabschürfungen im Gesicht und am Schienbein erlitt.

Durch sofort eingeleitete Maßnahmen wurde als Täter [Name 1, Vorname], geboren am [Tag, Monat] 1951, ohne Beruf, Gleisbauarbeiter bei der DR Magdeburg, wohnhaft [Ort], Kreis Oschersleben, ermittelt und durch die VP festgenommen.

[Name 1] [Passage mit schutzwürdigen Informationen nicht wiedergegeben] und erhielt wegen Staatsverleumdung 1966 einen Verweis durch den Jugendhilfeausschuss und 1967 ein Jahr Freiheitsentzug, ebenfalls wegen Staatsverleumdung.

Die Untersuchungen durch das MfS ergaben:

[Name 1] besuchte am 24.5.1971, in der Zeit von 15.00 bis 22.30 Uhr, mehrere Gaststätten in Oschersleben und trank in dieser Zeit ca. 18 Glas Bier.

In der Zeit von 19.30 bis 22.30 Uhr zechte er in der Gaststätte – Inhaber [Name 2] –, Halberstädter Straße und pöbelte in dieser Zeit einen am Nebentisch sitzenden Gast an, wobei er diesem Schläge anbot. Es kam jedoch zu keinen Tätlichkeiten.

Nach dem Verlassen der Gaststätte bedrohte er einen ihm unbekannten vorbeifahrenden Radfahrer mit den Worten: »Ich haue dir welche in die Schnauze«, ebenfalls mit Tätlichkeiten.

Zu diesem Zeitpunkt kam dem Täter der 1. Sekretär, Genosse Thieme, in Begleitung seiner Ehefrau und einer weiteren weiblichen Person entgegen.

Beim Zusammentreffen fragte [Name 1] den 1. Sekretär nach der Uhrzeit, woraufhin dieser entgegnete, es wäre 20.45 Uhr. Der Täter stellte die Richtigkeit der ihm erteilten Auskunft in Zweifel und drohte dem 1. Sekretär mit den Worten, dass »er welche vor den Kopf bekäme« Tätlichkeiten an, falls er nicht die richtige Uhrzeit erfahren würde.

Der 1. Sekretär reagierte nicht auf diese Drohung. Daraufhin beschimpfte der Täter den 1. Sekretär mit Worten wie »Dussel«, »Eierkopf«, »Vogel«, verfolgte ihn und wurde gegen ihn tätlich.

Der Täter fasste den 1. Sekretär von hinten an den Hals und schlug auf dessen obere Körperpartien mit der Faust ein. Infolge der Gegenwehr des Gen. Thieme kam es zum Schlagaustausch, wobei es zu den genannten Verletzungen kam.

In den bisherigen Untersuchungen sagte [Name 1] aus, dass er den von ihm Geschädigten nicht gekannt habe und auch nichts über dessen Zugehörigkeit zur SED sowie seiner Funktion wusste.

Als Motiv dieser Tat gibt [Name 1] an, am Nachmittag des 24.5.1971 seine ehemalige Freundin [Passage mit schutzwürdigen Informationen nicht wiedergegeben] Rode, Monika besucht und dabei seine Unterhaltspflicht entrichtet zu haben. Bei dieser Gelegenheit hätte sie ihm Vorhaltungen wegen seines unmoralischen Lebenswandel gemacht, worüber er verärgert gewesen sei.

Aus diesem Grunde und bedingt durch den Genuss von Alkohol habe er nach Anlässen gesucht, durch tätliche Auseinandersetzungen seine Wut loszuwerden.

Die Untersuchungen werden fortgeführt, insbesondere, um weiter zu prüfen, ob eine staatsfeindliche Zielsetzung vorliegt.

  1. Zum nächsten Dokument Anschläge auf zwei Angehörige der sowjetischen Armee
    27. Mai 1971
    Information Nr. 511/71 über gewaltsame Anschläge auf zwei Angehörige der Sowjetarmee
  2. Zum vorherigen Dokument Tätlichkeiten gegen Angehörige der sowjetischen Botschaft
    19. Mai 1971
    Information Nr. 482/71 über das tätliche Vorgehen gegen Angehörige der sowjetischen Botschaft in der DDR am 15. Mai 1971 in Berlin-Biesdorf