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Vorkommnis in Treuenbrietzen am 4.4.1971

12. April 1971
Information Nr. 314/71 über ein Vorkommnis in Treuenbrietzen, [Kreis] Jüterbog, Bezirk Potsdam, am 4. April 1971

Am 4.4.1971, gegen 21.00 Uhr, wurde der [Name 1, Vorname], geboren am [Tag, Monat] 1953, beschäftigt in der LPG »Rosa Luxemburg«, wohnhaft [Ort] [Kreis] Jüterbog, Kandidat der SED seit 5.3.1971, Mitglied der FDJ, von drei Personen nach Verlassen einer HO-Gaststätte in Treuenbrietzen wegen seiner Zugehörigkeit zur Partei der Arbeiterklasse und seines bisherigen fortschrittlichen Auftretens provoziert, beschimpft und körperlich schwer misshandelt, sodass er sich in ärztliche Behandlung begeben musste.

Die durch das Ministerium für Staatssicherheit geführten Untersuchungen führten zur Ermittlung und Festnahme der Täter. Es handelt sich um [Name 2, Vorname], geboren am [Tag, Monat] 1953, Arbeiter in der Meliorationsgenossenschaft Treuenbrietzen, wohnhaft Treuenbrietzen, [Straße, Nr.], politisch nicht organisiert; [Name 3, Vorname], geboren am [Tag, Monat] 1952, Außenmonteur beim VE Ingenieurhochbau Berlin, wohnhaft Treuenbrietzen, [Straße, Nr.], von 1967 bis 1970 Mitglied der FDJ; [Name 4, Vorname], geboren am [Tag, Monat] 1953, Schlosserlehrling im Fahrzeugbau KG-Gehler Treuenbrietzen, wohnhaft Treuenbrietzen, [Straße, Nr.], Mitglied der FDJ und des FDGB.

Die Untersuchung des Sachverhaltes ergab:

Der Genosse [Name 1] nahm am 5.3.1971 an der Kreisdelegiertenkonferenz der FDJ in Belzig, [Bezirk] Potsdam, als Delegierter teil und erhielt im Verlauf der Konferenz die Kandidatenkarte der Partei der Arbeiterklasse ausgehändigt.

Über dieses Ereignis berichtete am 3.4.1971 die »Märkische Volksstimme«,1 charakterisierte den Genossen [Name 1] als fortschrittlichen jungen Menschen und beglückwünschte ihn zu diesem Schritt. Der Pressebericht war mit einem Foto des Genossen [Name 1] versehen.

Während eines Gaststättenbesuches in Treuenbrietzen am 4.4.1971 wurde Genosse [Name 1] durch die Täter angesprochen und gefragt, ob er der im Presseartikel der »Märkischen Volksstimme« Genannte sei. Als [Name 1] das bestätigte, machten ihm die genannten Beschuldigten Vorwürfe wegen seines Eintritts in die Partei der Arbeiterklasse und drohten ihm Schläge an.

Nachdem Genosse [Name 1] darauf nicht reagierte und gegen 21.00 Uhr die HO-Gaststätte verlassen hatte, entschlossen sich [Name 2], [Name 3] und [Name 4] ebenfalls das Lokal zu verlassen mit dem Ziel, gegen den Genossen [Name 1] gewalttätig vorzugehen.

Nacheinander versetzten die Beschuldigten in brutaler Weise dem Genossen [Name 1] wuchtige Schläge in das Gesicht, den Nacken sowie den Magen. Dabei äußerten sie sich provozierend und verleumderisch gegenüber der Partei der Arbeiterklasse und drohten dem Genossen [Name 1] weitere Schläge an, falls er über die an ihm begangenen Gewalttätigkeiten Mitteilung machen würde.

Die Untersuchungen ergaben eindeutig, dass die Beschuldigten den Genossen [Name 1] deshalb misshandelten, weil er Kandidat der Partei der Arbeiterklasse geworden war. Sie verfolgten das Ziel, ihn einzuschüchtern, damit er an der Richtigkeit seines Schrittes zweifeln und erkennen soll, dass andere Jugendliche mit seiner Zugehörigkeit zur SED nicht einverstanden seien.

Wesentliche Motive dieser verbrecherischen Handlungsweise der Beschuldigten sind in einer feindlichen und ablehnenden Einstellung gegenüber der sozialistischen Staats- und Gesellschaftsordnung, insbesondere der Partei der Arbeiterklasse, der DDR begründet.

Die Beschuldigten empfingen ständig Sendungen des westlichen Rundfunks und Fernsehens und verherrlichten die westlichen Lebensverhältnisse.

Die Untersuchungen zur Aufklärung des Verbrechens werden fortgesetzt.

  1. Zum nächsten Dokument Grenzübertritt im Schwickershausen
    14. April 1971
    Information Nr. 319/71 über einen ungesetzlichen Grenzübertritt DDR – Westdeutschland am 9. April 1971 im Raum Schwickershausen, Kreis Meiningen
  2. Zum vorherigen Dokument Arbeitsbericht der BEK und Stellungnahme des Pfarrers Hamel
    8. April 1971
    Information Nr. 296/71 über den Arbeitsbericht des Bundes der Evangelischen Kirchen der DDR für das Jahr 1970 und eine persönliche Stellungnahme des reaktionären Pfarrers Hamel, Naumburg